An epic of epic epicness?

Scott datet Knives, aber dann trifft er Ramona und weiß sofort, dass sie das Mädchen seiner Träume ist. Dummerweise muss er vorher ihre sieben bösen Exfreunde besiegen und nebenbei mit seinem eigenen Leben sowie der unendlich traurigen Vergangenheit zurechtkommen. Und wer guckt dabei nur zu, ohne etwas zu unternehmen? Das dürfte ich sein, so geschehen letzte Woche in einem winzigen, durchaus liebenswerten Kino im kornischen Ferienort Penzance. Meine spoilerfreie Meinung gibt es ungekürzt, nur hier und genau jetzt!

Aus der Sicht des Kenners der Vorlage:
Allen Befürchtungen zum Trotz hat es Regisseur Edgar Wright geschafft, den Charme des Comics einzufangen und auf die große Leinwand zu transportieren. In vielen Szenen hält er sich sehr strikt an die Vorlage (ich konnte einige Dialoge mitsprechen); in manchen vermischt er Elemente, die sonst nichts miteinander zu tun hatten oder entfernt Nebencharaktere, die mit der Hauptstory nichts oder nur wenig zu schaffen haben; und das Ende ist bekanntermaßen sowieso ein anderes, wenn auch definitiv kein schlechteres, als im Comic. Der Film erlaubt sich also genug Freiheiten, um auch den skeptischen Fan noch einmal zu fesseln. Gut, manchmal wird alles ein bisschen zu abgedreht und – das mag in diesem Zusammenhang lächerlich klingen – unrealistisch, speziell der vorletzte Fight gegen die Zwillinge, der vollkommen neu interpretiert wurde und ein wenig zur Effektorgie verkommt. Dafür ist aber das Gros der restlichen Kämpfe fantastisch choreographiert und gefilmt, und Kämpfe gibt es im Film wahrlich genug. Meine Befürchtung, dass die im Comic eher nebensächlichen Scharmützel mit Ramonas evil exes den Film dominieren könnten, bestätigte sich zum Teil, Scott Pilgrim hetzt immer so ein bisschen von Actionszene zu Actionszene und lässt einem zwischendurch  kaum Zeit zum Durchatmen. Es ist aber zugegebenermaßen auch ein schweres Erbe: Normalerweise hat ein Film etwa zwei Höhepunkte, dieser muss vorlagenbedingt gleich sechs unterbringen. Die Szenen dazwischen sind aber beinahe ausnahmslos gelungen – voller Witz, guter Musik und großen Gefühlen.

Aus der Sicht des unvoreingenommenen Interessierten:
Ja, der Film ist extrem hektisch und strapaziert die Synapsen, und ohne jegliches Hintergrundwissen fällt es manchmal schwer, den Faden nicht zu verlieren. Ob es überhaupt jemanden über 30 gibt, der für Scott Pilgrim vs. the World etwas übrig haben kann, ist fraglich; der Film ist ziemlich deutlich auf ein jüngeres Publikum zugeschnitten und innerhalb dessen auf die Nische der Kenner des Comics. Andere könnten möglicherweise am Ende Fragen mit Vernunftshintergrund stellen (“Warum gibt es jetzt nochmal die League of Ramona’s Evil Exes?”), auf die sie keine Antwort mit Vernunftshintergrund erhalten werden.

Fazit:
Scott Pilgrim vs. the World
wird sicherlich keinen Fan enttäuschen, den Rest der Welt aber eher kalt lassen. Was jedoch nichts an der Tatsache ändert, dass er mehr begabte Jungschauspieler als jeder andere Film versammelt, die coolsten Fights der jüngeren Filmgeschichte bietet und – jetzt muss es doch mal gesagt werden – einfach nur epic ist!

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7 Antworten auf An epic of epic epicness?

  1. Pingback: A Kick-Ass Movie | It's Magic!

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  1. Willkommen zurück in Europa. Wie wars auf dem Kontinent UK?
    Und Schottland? :)

    Nach vielen unpersönlichen Reviews von Filmologen wollte ich auch mal ein Feedback eines Fans lesen. Und es macht nur noch mehr Freude auf den Film \o/.

    Danke :D

  2. Danke danke, England war toll, Schottland toller. Mehr in meinem demnächst folgenden Reisebericht ;) Stimmt es eigentlich, dass der Film im deutschsprachigen Raum nun doch schon im Oktober anläuft? hatte da irgendwie was aufgeschnappt und du bist in solchen Belangen immer sehr gut informiert :)

  3. Jep der startet am 21. 10. (ich werd ihn mir mit Maloney und Damian ansehen :D ). Damit nun sogar früher als ursprünglich geplant im November. Und auf den Reisebericht freue ich mich sehr…

  4. Also objektiv mittelmäßig, subjektiv großartig – reicht mir! ;-)

  5. Nicht mal unbedingt mittelmäßig, aber sehr, sehr hektisch :)